Übrigens weiß ich jetzt, dass es egal ist, wie lange, wie oft und wieso ich allein bin - meine Gedanken holen mich bilderreicher und monumentaler ein, als ein ICE den nächsten Bahnhof (= wie philsophisch), sobald ich keinen festen Rhythmus mehr verfolge. Außerdem bin ich verfressen, weil ich nicht lernen kann, ohne zu essen. Das wiederum heißt, dass ich mich langsam aber sicher zu einer Kugel fresse, die mit ihren Fantasien in die nächste Kiste gestopft wird, um die irren Auge nicht mehr sehen zu müssen (Ich finde meine Augen sehen bei näherer Betrachtung fellig aus. Geriffeltes Fell, in allen Blautönen.), um mich dann Richtung Übersee zu schicken, oder einfach in den Keller.
Zudem habe ich das Gefühl mit jeder Seite, die ich mehr lerne, wie z.B. jetzt die Seiten in "Einkommens- und Beschäftigungstheorie", zu verdummen. Ich fühl mich leichter. Ein Bandwurm wird wohl da oben sein Unwesen treiben, dabei sollte er mir lieber weiter unten das Fett wegfressen...
meliterature - 27. Mrz, 15:54
Ich sterbe blau, denn ich fühl mich bleu mourant. Blümerant.
In den letzten zwei Wochen habe ich drei verschiedene Lerntypen kennen gelernt: diejenigen, die nichts tun und es trotzdem können; diejenigen, die nichts tun und es deswegen nicht können und diejenigen, die sich am liebsten die Zähne ausreißen würden, damit sie den Druck in ihrem Kopf nicht mehr spüren müssen. Ich gehöre zum dritten Lerntyp. Theoretisch dürfte ich schon keine Zähne mehr haben. Viel gelernt habe ich auch nicht, was meine Mutter folgendermaßen euphemisiert:"Du lernst eben intensiv." Die Intensivität im Lernen sieht man daran, dass ich stundenlang den schwarzen Strich an der Wand anstarren kann, den ich mit Edding einmal gezogen habe.
Alles, was ich machen will, muss ich mir aufsparen, damit mein Gewissen mich nicht hinterrücks umbringt. Und so ist mein Terminplaner nach diesen drei Wochen bis August proppevoll. Davor hab ich Angst und davor, dass ich nächste Woche Freitag einen Krampf in meine Schreibhand bekomme, weil ich volle fünf Stunden Zeit haben werde und weil mir in fünf Stunden so viel einfällt, dass ich alles durcheinander bringe, dass meine Deutschlehrerin meinen Aufsatz nicht versteht und ich nicht die geplante 1 bekomme - so wie in der Realschule. Vor Deutsch habe ich am meisten Angst.
Und im Grunde schäme ich mich das aufzuschreiben, weil es nichts ist und mein Leben verdammt langweilig ist. Ich kann mich nicht einmal mehr auf meine Umgebung konzentrieren. Mein Notizblock liegt verwaist in der Ecke und ich fühle mich unwohl. Blümerant. Unwohl, weil ich nur an mich denke und nicht das aufschreiben kann, was ich aufschreiben will. Weil nichts passiert. Weil ich mir versprochen habe, meinen Kopf zu verstecken, bis alles vorbei ist. Dann werde ich die Bücher aus der Schublade nehmen können, die in den letzten Wochen per Post eingetroffen sind, dann kann ich wieder in Cafés gehen und in die Bibliothek und vor allem kann ich dann endlich Kleider kaufen gehen. Ich werde sehr arm sein - im August.
meliterature - 27. Mrz, 15:28