11
Nov
2007

Konjugation

"...wenn die Konjugation nicht wäre, hätten wir gar kein Bewußtsein davon, daß wir getrennte Individuen sind..." (Amélie Nothomb, Die Reinheit des Mörders, S.216)

Glavinic ist ein Jammerlappen. Und der hätte beinahe den Deutschen Buchpreis bekommen. Ich lese ihn, manchmal belustigt, manchmal deprimiert. Das Langweilige ist, dass Glavinic ohne Umschweife über sich selbst schreibt und über die Menschen, die ihn umgeben, die alle ihr Einverständnis geben mussten, damit er sie veröffentlichen durfte. Andererseits gefällt er mir, der Glavinic. Er weckt solch eine Sehnsucht in mir auch zu schreiben, richtig zu schreiben. Keine abgehackten Tagebucheinträge, lieblose blog-Beiträge, schulisch erzwungene Texte, schnelle Artikel. Und der immer währende Gedanke: da liegt zu Haus in einer Schublade meines Schreibtisches - rechts - eine blaue Mappe, die unvollendet ist, die täglich danach schreit:"Schreib mich, füll mich, mach mich fertig - vollendet!" und ich renne davor weg, weil ich Angst habe, weil ich meine Ziele zu hoch stecke, weil ich weiß, dass ich es nicht schaffen werde, weil es so ist und weil ich jeden Abend, bevor ich zu Bett gehe daran denke. Es hat einen rituellen Charakter angenommen, dieses Unvollendete, Unbenannte in meiner Schreibtischschublade. Ich bete jeden Abend, wie ich manchmal bei gewissen Ängsten zu Gott an meiner Zimmerdecke gebetet habe. Jetzt bete ich Litaneien voll möglicher Weiterführungen, möglichen Phrasen. Ich lese Bücher, Bücher, Bücher. Ich glaube, ich vernachlässige die Schule, dabei vernachlässige ich meine blaue Mappe. Ich schreibe Zitate raus, kaufe mir etliche Zeitungen und lese doch nur den Feuilleton. Heute habe ich mir bella triste bestellt (www.bellatriste.de) nach langen Überlegungen und weil ich doch nichts weiß über die literarische Welt da draußen und das macht mich noch unsicherer, noch mutloser. Ich hab schon geweint. Alex war irritiert, er versucht mich zu verstehen und versteht mich doch nicht. Ich versteh mich ja selbst nicht mehr. Bin ich ein Panikmensch? Ich bleib doch immer so ruhig. Ich weiß, es klappt nicht. Ich muss was studieren, das mir gerade so gefällt. Gerade so. Meine größte Angst. Ich mach mich selbst zum Wrack. Und dann kommt so einer wie Glavinic (er möge es mir nicht übelnehmen - Die Arbeit der Nacht soll ganz gut sein, ich werde es noch lesen und außerdem schreibt er ja nicht schlecht; witzig und sympathisch) und zum ersten Mal tut es mir weh, zu lesen. Körperlich. Es zerreißt mich und ich weiß, wenn dieses Elend nicht bald ein Ende hat, werde ich mich damit abfinden müssen...

(Vielleicht bin ich nicht dafür gemacht. Vielleicht habe ich mir eine schöne Illusion geschaffen, die sich nicht erfüllen kann, weil die Definition der Illusion die Wirklichkeit nicht mit einschließt.)
logo

Lauschangriff der Karteileichen

zu verwaltende Kartei

Du bist nicht angemeldet.

lebendige Leichen

Leben im Fäkalausdruck
Ich bin eine Versagerin. Am liebsten würd ich...
meliterature - 20. Aug, 16:35
siehe da
Alex muss nächste Woche schon nach Hannover. Sein...
meliterature - 19. Aug, 08:59
So lala
Die Arbeit an der Kasse werd ich auf Dauer nicht mögen....
meliterature - 15. Aug, 21:24
...
Du denkst, kassieren wär ein Klacks? Du denkst,...
meliterature - 11. Aug, 17:26
Du stehst
Da stehst du unter der Dusche und lässt das Wasser...
meliterature - 7. Aug, 12:23

durstlöschend


Ken Follett
Die Säulen der Erde


Doris Lessing
Das goldene Notizbuch.


Nikolaj Gogol
Die Nase / Der Mantel



Michael Lentz
Liebeserklärung


Benjamin Lebert
Kannst Du


Nick Hornby, Clara Drechsler, Harald Hellmann
A Long Way Down.

ohrenbetäubend


Jack Johnson
In Between Dreams


Panic at the Disco
Pretty.Odd.

Suche

 

Status

Online seit 333 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Aug, 22:37

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB


Das Land
Die Frage nach mir
Literatur
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren